Tschüß und ab ins Engadin

Lagebericht der Corona-Ausbüchser in die Schweiz

Neben den Winterferien sind ja vor allem die Osterferien eine der beliebtesten Zeiten, um mit Kindern in den Schnee zu kommen. Dieses Jahr natürlich alles problematisch.

Nachdem wir die Mühen schon im Februar auf uns genommen hatten, hielt uns auch die Corona-Situation vor Ostern nicht von einer Bergfahrt ab. Und obwohl alles legal ist, bleibt das Gefühl ja doch ein unanständiger Bürger zu sein. Da ja Teile der Politik eine Reise in Corona-Zeiten für eine Verletzung von Bürgerpflichten halten. Früher war ja wenigstens bei der Linken unanständig was lobenswertes. Nun, vielleicht sind wir nicht ganz zeitgemäß. Jedenfalls hat uns Söder und die anderen Scharfmacher nicht beeindruckt und wir haben etwas für unsere Gesundheit getan. Ziel war das Engadin. Ganz im Osten der Schweiz das kleine Pistengebiet Scuol.

Skigebiet infolge von Corona weit unter der Auslasungsgrenze

Wie schon in der Ferienwoche im Februar ist auch jetzt die Lage im Skigebiet entspannt. Die Zahl der Schneesportler liegt deutlich unter der Kapazitätsgrenze des Gebiets. Die Gondeln werden nur zur Hälfte besetzt und alle anderen Lifte sind offene Sessellifte. Abstand oder Maske lautet die Devise. Innenräume gibt es kaum, die Restaurants sind geschlossen. Der einzige engere Kontakt zu Leuten findet neben der Ferienwohnung im Skibus statt. Hier natürlich mit Maske; Alltagsmaske, medizinische Maske, jeder wie er will.

Das Wetter meinte es überaus gut mit uns und wir hatten alle Tage Kaiserwetter. Und on- wie off-piste waren die Bedingungen sensationell. Offensichtlich ist sofort auf das zentrale Problem der Zeit. Wir sind von der sportlichen Entwicklungen her um Längen zurückgeworfen. Die mangelnden Trainingsmöglichkeiten machen sich bemerkbar. Die einzigen, die in dieser einen Woche eine Weiterentwicklung realisieren können, sind die Kinder. Ihnen reichen wenige Tage oder eben zwei Skiwochen, damit es einen deutlichen Fortschritt gibt. Bei den Erwachsenen ist eher eine Regression zu bemerken. Das ist der zentrale Tribut, den die Corona-Bedingungen uns abfordern.

Training im Telemark-Schwung

Das Skigebiet insgesamt ist auch bemerkenswert different aufgestellt. Viele Ferienwohnungen stehen leer. In den Dörfern dominieren nicht die Touristen, sondern die Einheimischen. Eigentlich eine ganz schöne Entwicklung, wüsste man nicht, dass dies wirtschaftliche Probleme mit sich bringt. So wird auch das Skigebiet von den Einheimischen natürlich am Wochenende deutlich mehr genutzt, Samstag und Sonntag scheint es eher wie vor Corona. Unter der Woche dagegen fast ausgestorben. Mann sitzt permanent alleine im Lift. Uber das Oster-Wochenende wird es dann wieder etwas voller und freundlicher.

Verwaister Fun-Park in Scuol „Motta Naluns“

Die Gastronomie geht ebenso seltene Wege. Nachdem in der Schweiz der Terassen-Streit tobte, der Bund den Kantonen die Außengastronomie letztlich untersagte, sind jetzt im Gegensatz zu Februar auch die Holzbänke und -tische verräumt. An den „take-away“ Tresen bekommt man dafür beim Erwerb von Speisen und Getränken z.B. ein Fell mit dem man sich dann auf den extra shaped Terrassen in den Schnee setzen kann. Hinweistafeln erinnern an die Möglichkeit mit dem Ski eine Sitzbank zu bauen.

Terrassen-Anlagen im Schnee oberhalb der Alpetta-Hütte

Insgesamt eine Bergfahrt mit hohem Erholungswert; gerade weil das Entkommen aus dem Alltag so selten geworden ist. Sportlich fehlen die Trainingsmöglichkeiten deutlich. Für jene Kinder, die nicht wie unsere die sportliche Förderung erfahren wahrscheinlich ein ähnlich großes Desaster, wie für die Älteren, denen die Trainingsgelegenheiten mitunter schon die zweite Saison abhanden gekommen sind.

Engadin in der Ostersonne und dennoch Ski und Rodel gut

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